Ein neuer Hund – Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Wenn es Dir wie den meisten Hundebesitzern geht, stellt sich irgendwann die Frage, ob nach dem Tod des geliebten Hundes jemals nochmal ein anderer Hund Einzug ins Leben erhalten wird.

  • Ist es Verrat am alten Kameraden, seinen Platz „aufzufüllen“?
  • Reißt der neue Hund vielleicht Erinnerungen auf, die besser verdrängt geblieben wären?
  • Wird man überhaupt nochmals einen Hund finden, mit dem man so unbeschwerte Momente erleben kann wie mit dem alten?

Diese und vergleichbare Fragen stellen mir Menschen häufig, sobald sie die schlimmste Phase der Trauer überstanden haben und sich allmählich wieder Gedanken über ihre Zukunft machen können und wollen.

Oftmals schwingt dabei eine gehörige Portion Skepsis mit: Zweifel, ob man schon wieder bereit ist, sich auf einen neuen Hund einzulassen, machen sich breit. Ein schlechtes Gewissen höre ich hier und da ebenfalls heraus und manchmal hat es den Anschein, als würden sich die Menschen gerne von mir die Erlaubnis einholen, sich näher mit diesem Gedanken befassen zu dürfen.

Grund genug also, meine Überlegungen dazu in Papierform zu bringen 🙂

Du machst Fortschritte bei der Trauerbewältigung  – das ist großartig

Zunächst einmal sollte festgehalten werden, dass allein das Aufkommen der Frage ein großartiges Zeichen ist, dass Du hinsichtlich der Trauerbewältigung Fortschritte machst!

Ich habe bislang noch keinen Hundebesitzer getroffen, der sich diese Frage unmittelbar nach dem Tod seines Hundes gestellt hat. In der ersten Zeit nach dem Abschied ist diese Frage undenkbar und vielfach wird ein neuer Hund kategorisch abgelehnt („auf keinen Fall …“).

Das ist völlig normal und bei der Intensität der Bindung auch einfach nachvollziehbar. Erst im Zeitverlauf weichen wir zunehmend von diesem extremen Standpunkt ab und öffnen uns für alternative Sichtweisen auf eine mögliche Zukunft mit einem anderen Hund.

Es ist also schön und positiv, dass Du im Prozess so weit bist, Dir Gedanken um deine „Hunde-Zukunft“ zu machen – ein schlechtes Gewissen brauchst du deshalb nicht zu haben.

Die Zielsetzung bestimmt die Sinnhaftigkeit der Überlegung

Zentral im Kontext der Fragestellung, ab wann es sinnvoll ist, einen neuen Hund ins Leben zu holen ist die Frage nach dem intendierten Effekt – was erhoffst Du Dir von einem neuen Hund?

Geht es darum, den alten Kameraden zu ersetzen?

Oder möchtest Du deine Zeit einfach wieder erfüllt mit jemandem teilen?

Es ist ganz essentiell und wichtig, in dich hineinzuhorchen und dieser Frage ehrlich auf den Grund zu gehen!

Die Antwort auf diese Frage macht den Unterschied aus, ob ein neuer Hund für dich tatsächlich schon in Frage kommt oder ob Du besser noch einige Zeit mit dieser Entscheidung warten solltest.

Hoffst Du insgeheim, dass Du einen Hund findest, der praktisch ein Klon deines alten Kameraden ist und mit dem alles wird wie früher?

Mit dieser Zielsetzung wirst du kläglich scheitern, denn so einen Hund wirst du kaum finden.

Geht es Dir stattdessen eher darum, deine liebgewonnenen Routinen und die Zeit draußen an der frischen Luft wieder mit jemanden zu teilen bzw. überhaupt einen Grund zu haben, einen Fuß vor die Tür zu setzen?

Dann fußt die Überlegung nach einem neuen Hund auf einem ganz anderen Fundament und die Auseinandersetzung damit erscheint mir deutlich sinnvoller als im vorherigen Fall.

Der neue Hund als neue Erfahrung – Nicht als „Ersatz“ für den alten Kameraden

Die größten Zweifel fußen oft auf einem – in meinen Augen falschen – Verständnis von Loyalität gegenüber dem verstorbenen Hund.

Wie kurz zuvor angerissen, plagt viele Menschen ein schlechtes Gewissen, dass sie ihren alten, verstorbenen Hund durch die Anschaffung eines neuen Hundes verraten und die gemeinsame Zeit und den Wert der Beziehung herabwürdigen.

Es weckt vordergründig den Eindruck, dass er wie ein Maschinenteil ersetzt wird.

Aber ist das tatsächlich so?

Ich denke, dass niemand, der diesen Text hier liest, seinen Hund als „ersetzbar“ bezeichnen würde. Das Gegenteil ist viel eher der Fall: Die Intensität der Bindung zum Tierchen und der erlebte Verlust sorgte einst (oder noch immer) für ein hohes Maß an Kummer und Trauer.

An dem Vorwurf einen „Ersatz“ zu suchen (den man sich erfahrungsgemäß ohnehin nur ganz allein macht), ist also gar nichts dran. Er entbehrt jeder Grundlage: Es geht nicht darum, einen „Ersatz“ zu finden oder den alten Kameraden gar zu vergessen.

Das ist in 99% der Fälle weder gewünscht noch realistisch.

Akzeptiere das menschliche Streben nach Wohlbefinden

Was allerdings ein durchaus nachvollziehbarer Wunsch ist, ist die ungewollt frei gewordene Zeit wieder sinnvoll zu füllen.

Niemand kann Dir verübeln, wenn Du dein Leben wieder mit Aktivität bereichern und dich gerne wieder um einen Kameraden kümmern möchtest. Es geht schlicht um Dein Wohlbefinden, deine Gesundheit und das Streben danach sollte stets eine hohe Priorität haben.

Es ist also weder egoistisch noch verwerflich, über einen neuen Hund nachzudenken, wenn daraus für Dich Lebensqualität entspringt – in vielschichtiger Art und Weise.

Ebenso wie Du im Vorfeld nicht absehen konntest, wie sehr dich dein alter Hund bereichern wird, so wird dich mit großer Sicherheit ein anderer Hund auf seine Weise berühren und erfreuen.

Im Neuen liegt auch Hoffnung

Für mich persönlich gilt daher, dass die Frage nach einem neuen Hund nie falsch oder unzulässig ist.

Wer etwas anderes behauptet, ist entweder noch zu tief in der Trauerphase (was völlig ok und absolut wertfrei gemeint ist) oder stellt die Frage aus einem falschen Blickwinkel.

Solange keine schwerwiegenden sachlichen Gründe (z.B. eine veränderte Arbeitssituation, persönliche Gesundheit, Wohnsituation etc.) gegen einen neuen Hund sprechen, ist die Frage aus einer Perspektive des Strebens nach persönlichem Wohlbefinden jederzeit gestattet.

Du bist Dir unsicher oder findest deine Überlegungen, Zweifel und Sorgen nicht im Text reflektiert? Schreibe mir gerne für einen persönlichen Austausch!

 

 

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Markus

Mein Name ist Markus und ich schreibe hier über ein sehr schwermütiges und deshalb oft verdrängtes Thema: Den Tod unserer Hunde. Mit dieser Seite möchte ich Menschen dabei helfen, die Trauerphase besser zu überstehen und mit Denkimpulsen, Geschichten und persönlichem Rat Hoffnung und Zuversicht zu schenken.

2 comments… add one
  • Eva Jun 9, 2019, 5:24 pm

    Hallo Markus, mein Name ist eva und wir mussten letzten Mittwoch unseren westie nach 17,5 Jahren einschläfern. Ich bin grad ziemlich verwirrt und hoffe dass Du mir helfen kannst. Jeder der mich und Micky kannte, also alle unsere Freunde, teilweise Patienten (mein Mann ist Arzt), weiß was Micky für mich war. Sehr viel intensiver und aufopfernder kann das Verhältnis zu einem Hund gar nicht sein. Ich hab in den letzten beiden Jahren für sie gekocht, sie war 24 Stunden rund um mich, immer und überall dabei. Ich wollte keine Sekunde ohne sie sein. Was mich jetzt so extrem verwirrt ist, dass ich nach ihrem Tod nicht am Boden zerstört bin. Ich habe das Gefühl das alles ist so weit weg, ich rieche sie nicht mehr, spüre sie nicht mehr. Ich breche nicht in Tränen aus wenn ich Ihren Korb sehe. Ich kann ruhig schlafen. Kannst Du Dir erklären warum? Sie war natürlich aufgrund ihres hohen Alters und diverser Wehwehchen schon länger nicht mehr sehr aktiv und ich habe schon längere Zeit deswegen gelitten und eigentlich schon vorher getrauert. Oft geweint, speziell in den letzten Tagen weil ich sie nicht mehr leiden sehen wollte. Ich fühle mich jetzt einfach leer und hab ein schlechtes Gewissen.
    Hast Du dafür eine Erklärung?

    Danke für Deine Nachricht
    Eva

    • Markus Jun 13, 2019, 8:01 am

      Hallo liebe Eva,

      dieses Gefühl der Gleichgültigkeit ist nicht unüblich und sorgt regelmäßig für Irritation. Im „Lebewohl, Fellnase“ Ratgeber gehe ich ausführlich darauf ein:

      „Die erste Phase unmittelbar nach dem Verlust lässt sich gut mit dem Begriff der „emotionalen Taubheit“ oder Apathie umschreiben.
      Obwohl die meisten Menschen intuitiv diese Phase als die schlimmste einordnen würden, ist sie es in der Regel – zumindest gemessen an der Intensität der Gefühle – nicht.
      Statt überbordender Gefühle, die wir so kurz nach dem Verlust unseres Kameraden erwarten würden, geschieht in dieser (meist kurzen) Phase emotional meist überraschend wenig.
      Vielmehr ist es Unglaube, der sich breit macht und die Überzeugung, dass alles nur ein schlechter Traum ist, der bald endet und anschließend wieder alles so gut und schön ist wie zuvor.
      Viele Betroffene berichten davon, dass sie in dieser Phase wie fremdgesteuert einfach nur funktioniert haben und sich gar nicht richtig an Geschehnisse, gefällten Entscheidungen, Gespräche etc. erinnern können.
      Besonders extrem ist dieser „Autopilot“-Modus z.B. unmittelbar nach der Einschläferung durch den Tierarzt oder bei Unfällen bei denen die Fellnase unvermittelt und plötzlich verstirbt. Die Geschehnisse rasen vorbei und ziehen wie in einem Film an einem vorüber, ohne dass wir den Eindruck haben, irgendwie eingreifen zu können oder überhaupt etwas zu spüren.
      Du kannst diese erste Phase als „Schutzpuffer“ Deines Geistes verstehen, der dafür Sorge trägt, dass Du etwas Zeit gewinnst um Dich (unterbewusst) auf die Konsequenzen des Geschehenen vorzubereiten. Auf diese Weise funktionierst Du zunächst weiter, ohne direkt unter den Eindrücken des Verlustes zusammenzubrechen.
      Die Phase wirkt wie ein Schmerzmittel, welches temporär die Symptome unterdrückt.

      Je länger Du in dieser Phase verweilst, umso eher lässt die dämpfende Wirkung nach und umso eher beginnst Du allmählich zu begreifen, dass alles kein schlechter Traum ist, sondern die vorerst deprimierende Realität.
      Einige Betroffene neigen in dieser Phase (meist bereits etliche Tage nach der endgültigen Bestattung des Tieres) auch zu irrationalen Gedanken und Verhaltensweisen, und klammern sich an die Hoffnung, dass die Fellnase wie durch ein Wunder doch plötzlich wieder vor ihnen steht und das Abendessen verlangt.
      Mitunter wird auch zu Gott, dem Universum oder einer anderen höheren Macht gebetet, dass unter inständiger Gelobung von Besserung das Schicksal noch einmal zurückgespult und ein zweiter „Versuch“ gewährt wird.“

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